Urime Pavaresia e Kosoves!

Urime 5 vjetori i pavaresises!

Kosovo feiert 5. Geburtstag, am 17. Februar 2008 hat sich der Staat unabhängig erklärt und irgendwann wurde diese Tatsache ja auch im Juli 2010 vom IGH in Den Haag für grundsätzlich rechtens erklärt.

Eine aktuelle Bestandsaufnahme liefert dieser Tagesschau-Beitrag (aus dem die später folgenden Zitate entnommen sind). Toll, finde ich, dass das Newborn-Denkmal, auf dem wir ja schon alle unseren Namen hinterlassen habe, ein neues Design bekommt. Es wird mit den Flaggen der Staaten bemalt, die Kosovo bisher anerkannt haben (Ich habe einige tolle Fotos hierzu auf Facebook gesehen, Google-Suchen waren leider noch nicht so erfolgreich. Viele Freunde waren da und haben mitgewirkt.).

Newborn 2.0
(Bildquelle: Prishtina e vjeter)

Hierbei tauchen zu großem Teil uns unbekannte Flaggen auf, was damit zusammenhängt, dass in letzter Zeit hauptsächlich Zwerg- oder zumindest kleinere Staaten Kosovo als Staat anerkannt haben (Ja, als letztes kam an Weihnachten 2012 Pakistan dazu, aber davor war lange nicht viel aufregendes.) Mittlerweile sind es laut offizieller Darstellung 98 Staaten, auch wenn die Zählweisen hierbei auseinander gehen. Russland, China und Serbien sind immer noch nicht dabei. Es ist übrigens auch ein Irrglaube, dass ab einer bestimmten Zahl automatisch die ersehnte (da sie viele Schwierigkeiten in Sachen internationale Zugänge lösende) UN-Mitgliedschaft kommt, auch wenn dies immer so von kosovarischen Politikern so angepriesen wird. Tatsächlich kann dies nur auf Empfehlung des Sicherheitsrats geschehen. Und da sitzen eben als Mitglieder mit Vetorecht auch wer? Richtig, China und Russland. Und die werden aus eigenen Interessen bestimmt nicht so schnell die Anerkennung Kosovos befürworten, allein schon, um keinen Präzedenzfall zu schaffen.

Bleibt für Kosovo also die Möglichkeit des Status als „Beobachter“ bei den Vereinten Nationen, den ja vor wenigen Monaten auch Palästina erlangt hat. Hierfür reicht eine einfache Mehrheit der Generalversammlung, diese müsste nach meiner überschlagsweisen Rechnung bei 97 erreicht sein, rückt also in greifbare Nähe. Allerdings muss man sich dann auch im Klaren sein, ob man diese „Anerkennung zweiter Klasse“ auch will. Ich bin mir über die Vorteile nicht im Klaren, befürchte aber, dass es zu einem bestimmten Verharren auf dieser Position kommt. Aber wie gesagt, ich habe hiervon nur begrenzte Ahnung.

Vermutlich wird sich aber die kosovarische Regierung darum bemühen, baldmöglichst diesen Status zu erreichen. Denn eins habe ich auch gemerkt, und das kommt auch in dem oben erwähnten Tagesschau-Beitrag ganz gut durch: „‚Newborn‘ wurde vor fünf Jahren sich selbst überlassen. Und das ist auch ein Symbol für die Lage des Landes. Die Regierung schert sich nicht um die Leute, um den Staat, nur um ihre eigenen Taschen. Die Regierung muss als erstes weg. Und die neuen müssen von vorn anfangen. Jeder Tag, den die noch am Ruder sind, ist verloren.„. Es ist es zudem tatsächlich so, dass von Seiten der kosovarischen Behörden immer wieder ein trotziges „Wir sind doch jetzt unabhängig, warum behandelt ihr uns denn nicht umgehend so? Warum ist nicht auf einmal alles wie im Westen?“ kam, wenn die internationale Gemeinschaft bei entsprechenden Forderungen immer wieder erklärte, dass es eben nicht reicht, sich für unabhängig zu erklären, sondern sich auch so zu benehmen. So reicht es zum Beispiel nicht, ein Wahllokal aufzubauen, das genauso aussieht wie z.B. in Deutschland, wenn dann doch ganze Familien gemeinsam in die Wahlkabine gehen, vor den Wahllokalen systematische Einschüchterung stattfindet und am Ende aufgrund massiver Wahlfälschung eine Wahlbeteiligung von 140% rauskommt (hatte ich die Parallele zum Cargo-Kult schonmal gezogen?). Genauso kann es auch nicht umgehend zur Visafreiheit für die EU kommen, nur weil die auch alle Nachbarstaaten haben, nur weil man sie laut genug fordert, wenn nicht die technisch-rechtlichen Voraussetzungen in Kosovo vorliegen. Unabhängigkeit geht vielleicht leicht, Selbständigkeit ist dann schon viel schwieriger. (Aber hey, Kosovo ist jetzt 5 und unsere Kinder schulen wir ja auch erst mit 6 ein…). Vor allem braucht jeder Fortschritt Menschen, die sich trauen, den ersten, meist gewagten, Schritt zu tun. Es ist aber für die Regierung leider zu leicht, der Bevölkerung all diese Mängel als Missgunst Brüssels zu verkaufen.

Für Fortschritt braucht es eben auch ein funktionierendes politisches System, nicht diese Vetternwirtschaft zwischen Schwerkriminellen, die in Kosovo ganz offiziell regiert, das Land als Selbstbedienungsladen ansieht und es gnadenlos ausbluten lässt. „In Pristina trägt die Staatsführung mittlerweile den Spitznamen ‚Zehn-Prozent-Regierung‘. So hoch soll ihr Anteil bei jedem Geschäft von Rang sein. Der Europarat sieht in Hashim Thaci gar den Kopf einer Mafia-Bande.“ So schafft man nur eine desillusionierte Jugend und verspielt damit die wichtigste Ressource, die Kosovo hat.

Oder um es mit den Worten von Mr. Pete zu sagen: „Kosovo ist eben so ein Land, dass man immer irgendwie in den Arm nehmen möchte“. Words of Wisdom.

Kosovo, fühl dich gedrückt, alles Gute auf dem weiteren Weg zur Staatwerdung.

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Day of the Missing

Am 27. April war wieder der „Day of the Missing“. Lest euch einfach mal die Pressemitteilung der EULEX dazu durch. Beeindruckender Beginn: „There are still 1781 persons missing from the Kosovo conflict.“

Am Parlament (Hintereingang) hängt deshalb diese Fotoliste von Familien, die ihre Angehörigen vermissen, und wahrscheinlich hat jede Familie ein oder mehr Mitglieder, die sie im Krieg auf die eine oder andere Weise verloren haben.

Bild

Auch heute werden noch Gräber aufgetan, die die jahrelangen Vermutungen Gewisseheit werden lassen. Auf der Mutter-Teresa-Strasse, dem Prachtboulevard Pristinas, findet sich deshalb an diesem Wochenende eine Kunstinstallation:

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Keine Ahnung, wie lange das noch hängt. Eine Erklärung oder ähnliches steht nicht dabei. Es ist im Grunde auch nur meine Mutmaßung, dass es mit dem Day of the Missing zusammenhängt, aber ich bin eigentlich zuversichtlich, dass das stimmt. Also, einfach mal hingehen, ankucken! Die gegenwärtige Sommerexplosion lädt ja ohnehin zum Flanieren ein.

Pristina as it is

Ich möchte unbedingt auf diese Liebeserklärung auf Pristina hinweisen, die ich im sehr lesenswerten Kosovo 2.0 gefunden habe. Verfasst hat sie Irmin Vandermejiden:

My Prishtina
Prishtina. Where the crows own the trees, and the dogs own the streets.

Where you would not dare to offend a taxi driver by wearing a seatbelt. Where the spinach burek is the most popular, but nobody ever sells it. Where the streets turn brown as soon as it snows. Where people pull a sad face, while saying that your proposal is ’no problem at all,‘ after which you should definitely drop the plan. Where Tuesday is like Friday and Friday is like Wednesday.

Prishtina, where everybody notices that you have left abroad. Where it is safer to smoke a pack of Marlboros a day than to go to the hospital. Where development is blocked by the need for institutions that support development. Where directors own clubs and musicians own bars. Where your landlord decides if you can wear shoes inside your house or not.

Prishtina, where the sluttiest girls are most likely to be virgins. Where you need your friends help to get a date, and where your friends are your most potential lovers. Where you joke about your friends‘ mothers even though you don’t really know them, while jokes about their sisters are strictly forbidden, even though you know them very well. Where you get married in order to have a better sex life. Where guys hold hands and being gay is a disaster.

Prishtina, where the police takes your illegally parked car to Fushe Kosova, in order to make you pay the fine because they know you would never pay the ticket voluntarily. Where you renew your internet subscription each month in cash, because the company knows that you would never pay your bills voluntarily. Where the river flows under the streets, and is only to be seen in black and white pictures from long ago.

Prishtina, where being famous is the same as having many friends. Where the nicest park is fenced to be reserved for politicians. Where Muslims celebrate Christmas, and one of the largest new buildings in the city is a cathedral. Where you work six days a week in a coffee bar, just to be able to pay for your coffees on the seventh day. Prishtina, where it is both a curse and a blessing to be an international. Prishtina, where friendship is everything.

That’s where I live, in a flat with a balcony. In a room with a rug, a kitchen and a bed. That’s where I will cook dinners with good friends, while we talk about things we have also talked about last week. It is the city where I am happy to fall asleep in every night, to be woken up too early. By the singing of the hoxhas.

(Quelle)

Das ganze erinnert mich an das Joseph-Roth-Zitat über Berlin, das in unserer Küche in der Sonnenburger Strasse hing. Ich krieg’s aber nicht mehr zusammen, Google ist auch keine besondere Hilfe. Kann mir eventuell jemand weiterhelfen?

Winter in Kosovo

Man sagt ja immer, dass das schöne am Winter hier ist, dass man unterm Schnee den Müll nicht sieht. Wie auch immer, nett sieht’s aus…

Man sieht die schneebedeckten Berge…

Und die Vögel sind trotzdem noch da…

Naja, hauptsache, es qualmt in Obiliq, denn dann gibt’s Strom!

ECLO für die Menschen

Ich bin mir ja manchmal nicht so ganz über das Ausmaß der Arbeit des European Commission Liaison Office to Kosovo im Klaren, aber seit ich weiß, dass sie in Prizren Fahrradständer und Uhren sponsorn, bin ich da wieder recht beruhigt, dass mit dem Geld kein Unfug getrieben wird. Zumal Fahrradfahren dieses Jahr grad ganz groß in Mode kommt.

„Tue Gutes und rede darüber“

Brezovica – Prizren – Rahovec

So, gab ja lange keine Fotos mehr hier. Aber im Heimaturlaub gab’s ne neue Kamera und jetzt kanns weitergehen.

Heute war ja eigentlich mal wieder so ein Tag, wo in Kosovo alles, was eine Uniform hat, in Bereitschaft stand, weil der neue Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche in Peja Inthronisiert wurde. Und nach den gewaltsamen Zwischenfällen vor 3 Wochen anlässlich der Halbfinal-Niederlage Serbiens bei der Basketball-WM kann man ja nie wissen… Scheint aber alles weitestgehend ruhig verlaufen zu sein.

Deshalb jetzt mal die Fotos vom letzten Ausflug:

Zunächst gings nach Brezovica, eine serbische Enklave im Süden Kosovos, im Winter ein großes Skisportzentrum. Ich hab mir aber sagen lassen, mit eher anspruchsvollen Pisten. Ohne Schnee allerdings nur schwer vorstellbar.

Nächster Stopp, zum Mittagessen, im Hotel Sharri. Das Essen war zwar eher mittelmäßig, dafür ist die Aussicht atemberaubend, hinter den Bergen (bis zu 2500m hoch) befindet sich auch schon Mazedonien.
In der Rückschau hab ich allerdings festgestellt, dass ich vor lauter Ausblick das Fotografieren vergessen habe. Ihr müsst mir also einfach glauben.

Nächster Programmpunkt: Kultur. Es sollte eine umfangreiche Stadtführung in Prizren geben, aber weil wir irgendwie schlecht in der Zeit lagen, gabs nur eine Führung durch das Haus der Liga von Prizren, also quasi dem Ort, wo vor über 100 Jahren der albanische Nationalgedanke geboren wurde. Dort war’s sehr interessant, aber natürlich auch ideologisch aufgeladen. Nur leider hatten wir eben zu wenig Zeit, weil der nächste und letzte Programmpunkt anstand:

Die Besichtigung der Stone Castle Kellerei in Rahovec. Natürlich auch mit Verkostung am Ende. Die Weine sind erstaunlich gut, allerdings meiner Meinung nach auch keine Spitzenklasse. Aber lecker eben. Und Stone Castle stellt auch meinen Lieblings-Raki her. (Kurzer Exkurs: der albanische „Raki“ darf nicht mit dem türkischen Anisschnaps gleichen Namens verwechselt werden. Vielmehr handelt es sich hierbei um einen im ehem. Jugoslawien sehr verbreiteten Obstbrand, in Kosovo hauptsächlich aus Trauben gewonnen. Die kroatische Pflaumen-Variante „Slivovicz“ ist vielleicht am bekanntesten). Am aller-allerfeinsten hat aber der 24 Jahre alte Raki geschmeckt, den wir dort vor Ort probieren durften. Da es dort im Fabrikverkauf noch ein paar Stone-Castle-Weine gab, die ich bisher noch nicht im Laden gesehen habe, hab ich mir natürlich auch den Rucksack mit Flaschen vollgepackt. Freu mich schon auf „Vranac Premium“ und „Rheinriesling“. Nach Vollzug werde ich berichten.

Nach einer ziemlich rumpeligen Fahrt sind wir dann abends alle glücklich und zufrieden zuhause in Prishtina angekommen.

(Wer übrigens in Berlin mal Lust auf guten Wein mit kompetenter Beratung hat, dem sei die Weinhandlung Sonnenreich am Arnimplatz ans Herz gelegt – ich konnte grad im Urlaub wieder mal feststellen, wie herrlich entspannt man dort doch die Dinge angeht. Stone Castle gibts da allerdings nicht.)

Wie erklärt man einen Krieg?

Wer die letzten Einträge hier verfolgt hat, mag sich wundern: Es bedurfte nur einer dpa-Meldung, schon ist es in allen möglichen Medien (u.a. ZEIT, Bild, n-tv, FR, Handelsblatt) zu lesen: Serbien fühlt sich von Kosovo bedroht, sieht sogar eine Kriegsdrohung.

Was ist passiert? Nun, Nordkosovo mal wieder… hauptsächlich von Kosovo-Serben bewohnt, werden hier die kosovarischen staatlichen Institutionen nicht von der Bevölkerung anerkannt, man sieht sich hier grundsätzlich von Serbien verwaltet (ich empfehle hierzu übrigens mal „Parallelstrukturen in Kosovo“ zu googeln, interessantes Thema für Völker- und Staatsrechtler…). Bei der Eröffnung einer kosovarischen Regierungskanzlei (die ungefähr die Funktionsweise eines Standesamts hat) im Norden Mitrovicas kam es zu Protesten, da dies als Vordringen der „albanischen“ Institutionen in des „serbische“ Gebiet angesehen wurde. Kosovarische Gerichte sollen übrigens folgen, auch sollen Wahlen orgnisiert werden. Fakt ist natürlich, dass auch der Norden Kosovos zur Republik Kosovo gehört, folglich muss man dort auch Zugang zu kosovarischen Regierungsinstitutionen gewährleisten. Diese zwei Ansichten bekommt man wohl zweieinhalb Jahre nach der (einseitigen) Unabhängigkeitserklärung immer noch nicht zusammen.

Deshalb beschloß die kosovarische Regierung, in eben diesen Norden ihrer Republik Polizei-Sondereinheiten zu entsenden, um einerseits zu verhindern, dass diese Proteste eskalieren, andererseits ebendiese Institutionen (und Ihre Beamten) zu schützen. (Dies geschieht natürlich in Absprache mit EULEX, die Kosovo bei der Sicherheitsarbeit unterstützen, auch werden sowohl kosovoalbanische wie auch kosovoserbische Polizisten eingesetzt).

Das war’s im Grunde schon, ich kann noch nicht ganz die Kriegserklärung entdecken (ähnliches passiert in Berlin ja auch irgendwie an jedem 1.Mai). Kriegserklärungen gabs hier in der Region nun wirklich schon deutlichere.

Aber wie ich schonmal sagte, man weiß nie genau, welcher Funke hier auf dem Balkan der zündende ist, aber im Vorfeld des IGH-Urteils werden wieder mal jede Menge verbale Säbel geschwungen. Wollen wir’s zumindest mal hoffen.

Bridge over troubled water - Ibar-Brücke in Mitrovica

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