Vorschau

Es hat sich ja schon ein bisschen rumgesprochen, dass ich vor einem halben Jahr umgezogen bin. Manch einer hat es auch hier auf dem Blog unter „Über den Autor“ entdeckt. Blogposts (mit Fotos) über Libanon sind in Vorbereitung – wurden ja auch bereits angemahnt.

Wie der letzte Blogpost aber andeutet, wird der Balkan nicht vom Schirm verschwinden, dazu liegen mir Kosovo und die Geschehnisse dort doch zu sehr am Herzen.

Ich bitte auch um kreative Namensvorschläge, obwohl momentan Planet Phoenicia ziemlich weit vorne liegt. (Alliteration muss schon sein…)

BRT1

Außerdem neu im Blog: Ein Flattr-Button zum Flattrn, zudem Facebook- und Twitterknöpfe zum Teilen in den sozialen Medien. Sollten sich hierdurch Darstellungsprobleme ergeben, wäre ich für eine Mitteilung dankbar.

Advertisements

Urime Pavaresia e Kosoves!

Urime 5 vjetori i pavaresises!

Kosovo feiert 5. Geburtstag, am 17. Februar 2008 hat sich der Staat unabhängig erklärt und irgendwann wurde diese Tatsache ja auch im Juli 2010 vom IGH in Den Haag für grundsätzlich rechtens erklärt.

Eine aktuelle Bestandsaufnahme liefert dieser Tagesschau-Beitrag (aus dem die später folgenden Zitate entnommen sind). Toll, finde ich, dass das Newborn-Denkmal, auf dem wir ja schon alle unseren Namen hinterlassen habe, ein neues Design bekommt. Es wird mit den Flaggen der Staaten bemalt, die Kosovo bisher anerkannt haben (Ich habe einige tolle Fotos hierzu auf Facebook gesehen, Google-Suchen waren leider noch nicht so erfolgreich. Viele Freunde waren da und haben mitgewirkt.).

Newborn 2.0
(Bildquelle: Prishtina e vjeter)

Hierbei tauchen zu großem Teil uns unbekannte Flaggen auf, was damit zusammenhängt, dass in letzter Zeit hauptsächlich Zwerg- oder zumindest kleinere Staaten Kosovo als Staat anerkannt haben (Ja, als letztes kam an Weihnachten 2012 Pakistan dazu, aber davor war lange nicht viel aufregendes.) Mittlerweile sind es laut offizieller Darstellung 98 Staaten, auch wenn die Zählweisen hierbei auseinander gehen. Russland, China und Serbien sind immer noch nicht dabei. Es ist übrigens auch ein Irrglaube, dass ab einer bestimmten Zahl automatisch die ersehnte (da sie viele Schwierigkeiten in Sachen internationale Zugänge lösende) UN-Mitgliedschaft kommt, auch wenn dies immer so von kosovarischen Politikern so angepriesen wird. Tatsächlich kann dies nur auf Empfehlung des Sicherheitsrats geschehen. Und da sitzen eben als Mitglieder mit Vetorecht auch wer? Richtig, China und Russland. Und die werden aus eigenen Interessen bestimmt nicht so schnell die Anerkennung Kosovos befürworten, allein schon, um keinen Präzedenzfall zu schaffen.

Bleibt für Kosovo also die Möglichkeit des Status als „Beobachter“ bei den Vereinten Nationen, den ja vor wenigen Monaten auch Palästina erlangt hat. Hierfür reicht eine einfache Mehrheit der Generalversammlung, diese müsste nach meiner überschlagsweisen Rechnung bei 97 erreicht sein, rückt also in greifbare Nähe. Allerdings muss man sich dann auch im Klaren sein, ob man diese „Anerkennung zweiter Klasse“ auch will. Ich bin mir über die Vorteile nicht im Klaren, befürchte aber, dass es zu einem bestimmten Verharren auf dieser Position kommt. Aber wie gesagt, ich habe hiervon nur begrenzte Ahnung.

Vermutlich wird sich aber die kosovarische Regierung darum bemühen, baldmöglichst diesen Status zu erreichen. Denn eins habe ich auch gemerkt, und das kommt auch in dem oben erwähnten Tagesschau-Beitrag ganz gut durch: „‚Newborn‘ wurde vor fünf Jahren sich selbst überlassen. Und das ist auch ein Symbol für die Lage des Landes. Die Regierung schert sich nicht um die Leute, um den Staat, nur um ihre eigenen Taschen. Die Regierung muss als erstes weg. Und die neuen müssen von vorn anfangen. Jeder Tag, den die noch am Ruder sind, ist verloren.„. Es ist es zudem tatsächlich so, dass von Seiten der kosovarischen Behörden immer wieder ein trotziges „Wir sind doch jetzt unabhängig, warum behandelt ihr uns denn nicht umgehend so? Warum ist nicht auf einmal alles wie im Westen?“ kam, wenn die internationale Gemeinschaft bei entsprechenden Forderungen immer wieder erklärte, dass es eben nicht reicht, sich für unabhängig zu erklären, sondern sich auch so zu benehmen. So reicht es zum Beispiel nicht, ein Wahllokal aufzubauen, das genauso aussieht wie z.B. in Deutschland, wenn dann doch ganze Familien gemeinsam in die Wahlkabine gehen, vor den Wahllokalen systematische Einschüchterung stattfindet und am Ende aufgrund massiver Wahlfälschung eine Wahlbeteiligung von 140% rauskommt (hatte ich die Parallele zum Cargo-Kult schonmal gezogen?). Genauso kann es auch nicht umgehend zur Visafreiheit für die EU kommen, nur weil die auch alle Nachbarstaaten haben, nur weil man sie laut genug fordert, wenn nicht die technisch-rechtlichen Voraussetzungen in Kosovo vorliegen. Unabhängigkeit geht vielleicht leicht, Selbständigkeit ist dann schon viel schwieriger. (Aber hey, Kosovo ist jetzt 5 und unsere Kinder schulen wir ja auch erst mit 6 ein…). Vor allem braucht jeder Fortschritt Menschen, die sich trauen, den ersten, meist gewagten, Schritt zu tun. Es ist aber für die Regierung leider zu leicht, der Bevölkerung all diese Mängel als Missgunst Brüssels zu verkaufen.

Für Fortschritt braucht es eben auch ein funktionierendes politisches System, nicht diese Vetternwirtschaft zwischen Schwerkriminellen, die in Kosovo ganz offiziell regiert, das Land als Selbstbedienungsladen ansieht und es gnadenlos ausbluten lässt. „In Pristina trägt die Staatsführung mittlerweile den Spitznamen ‚Zehn-Prozent-Regierung‘. So hoch soll ihr Anteil bei jedem Geschäft von Rang sein. Der Europarat sieht in Hashim Thaci gar den Kopf einer Mafia-Bande.“ So schafft man nur eine desillusionierte Jugend und verspielt damit die wichtigste Ressource, die Kosovo hat.

Oder um es mit den Worten von Mr. Pete zu sagen: „Kosovo ist eben so ein Land, dass man immer irgendwie in den Arm nehmen möchte“. Words of Wisdom.

Kosovo, fühl dich gedrückt, alles Gute auf dem weiteren Weg zur Staatwerdung.

%d Bloggern gefällt das: