Guinea

Sowas geht ja zwischen Lebkuchen, Geschenken und Glühwein schonmal unter:
In Guinea passiert was.

Am 22. Dezember 2008 starb Guineas langjähriger Präsident Lansana Conté. Und obwohl Guineas Verfassung vorsieht, dass der Parlamentspräsident die Amtsgeschäfte als Nachfolger vom verstorbenen Präsidenten übernehmen und innerhalb von 60 Tagen Parlamentswahlen organisieren sollte, verübte das Militär einen Putsch. Vermutlich wundert das hier auch niemenden.

Gestern forderte die neu eingesetzte Militärjunta die alte Regierung auf, sich zu stellen. Alle Generäle und Mitglieder der bisherigen Regierung hätten sich binnen 24 Stunden im Armeelager der Hauptstadt Conakry einzufinden. Diejenigen, die sich der Anordnung widersetzten, müssten mit einer landesweiten Fahndung rechnen.

Die NZZ schreibt:

„Der Junta gehören 32 Mitglieder an, darunter nur sechs Zivilisten. Unter den restlichen 26 Vertretern des Militärs ist ein General. Auf einer ersten Medienkonferenz hatte Hauptmann Camara kurz zuvor mitgeteilt, dass er ab sofort Präsident Guineas sei. Nach seinen Angaben sind die Mitglieder der bisherigen Regierung offenbar geflohen. Sie seien unauffindbar.“

(Da hab ich natürlich erstmal gestutzt. Da stimmen ja von Anfang an die Befehlsstrukturen nicht, wenn ein Hauptmann Präsident in einer wird und der General in der Junta rumsitzt.)

„Bis zur Bildung einer neuen Regierung sollen nach dem Willen der Junta die bisherigen Generalsekretäre an die Spitze ihrer Ministerien rücken. Alle geplanten Ausgaben müssten sie sich künftig von der Junta bewilligen lassen, hiess es in der Erklärung weiter.“

Ausserdem hat Hauptmann Camara erstmal erklärt, Verfassung, Gerichte und Parlament wären abgesetzt. Ausserdem hätten seine Truppen den Rundfunk in der Hauptstadt Conakry unter Kontrolle.

Nachdem in den letzten Tagen unklar war, welche der Parteien tatsächlich die Oberhand hat (Ministerpräsident Souaré hatte versichert, dass seine Regierung weiter im Amt sei und verfassungsgemäß Wahlen binnen 60 Tegn organisieren, ist aber nicht mehr öffentlich aufgetreten) lese ich heute auf tagesschau.de, dass sich Souaré und 30 weitere Personen den Aufständischen gestellt haben. „Glaubwürdig und transparent“ solle ein neuer Präsident laut Camara erst Ende 2010 gewählt werden.

Ob die alte oder neue Regierung besser für Guinea sind, weiß ich noch nicht, versuche es aber rauszufinden.
Nicht vergessen werden sollte natürlich, dass EU, AU und UNO den Putsch verurteilten.

Jetzt noch ein paar Fakten:
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Republik Guinea – République de Guinée
245.857 qkm
9,8 Mio Einwohner
Ca. 80% sunnitische Moslems, ca. 5-10% Christen (zumeist Katholiken), Animisten
Bruttoinlandsprodukt 4,6 Mrd. USD (2007)
Inflationsrate (Dez 07) 12,5 % (Dez 06: 39,1 %)
Guinea ist reich an Bodenschätzen: Bauxit, Eisenerz, Uran, Diamanten, Gold; die Bodenschätze machen 85 % (2004) der Exporterlöse des Landes aus.

Guinea zählt zu den ärmsten Ländern der Erde.

Quellen:
Tagesschau, Auswärtiges Amt
NZZ
Wiki

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